In der Softwareentwicklung wird bekanntlich häufig zwischen Junior- und Senior-Positionen unterschieden. Zum Beispiel zwischen einem Junior Softwareentwickler und einem Senior Softwareentwickler.
Da in vielen Softwareprojekten allerdings fast ausschließlich Seniors anzutreffen sind, stellt sich gelegentlich die Frage: Woran erkennt man eigentlich den Junior?
Das ist erstaunlich einfach.
Ein Beispiel.
Senior: „Wir schätzen jetzt das Ticket TS-152637849 mit Story Points. Ein Story Point entspricht ungefähr einem halben Tag Arbeit.“
Junior: „Vier.“
Gelächter im Raum.
Senior: „Nein. So geht das nicht. Wir schätzen nach der Fibonacci-Reihe.“
Junior: „Ich denke aber, dass die Aufgabe ungefähr zwei Tage dauert.“
Kurze Pause.
Junior: „Aber gut. Dann nehme ich drei.“
Senior: „Also eineinhalb Tage?“
Junior: „Nein. Zwei Tage.“
In der Gruppe macht sich leichte Genervtheit breit.
Senior: „Dann sind es aber keine drei Story Points.“
Der Junior schaut irritiert.
Senior: „Vielleicht ist es noch etwas früh, dass du hier schon mitschätzt.“
Die Auflösung
Story Points wurden unter anderem deshalb eingeführt, damit Aufwand nicht einfach direkt in Stunden oder Tagen geschätzt wird.
Sie sollen Aufgaben relativ zueinander bewerten. Dabei spielen beispielsweise Komplexität, Unsicherheit und Umfang eine Rolle.
Natürlich besteht trotzdem häufig ein Zusammenhang zwischen Aufwand und benötigter Zeit. Eine komplexere Aufgabe dauert in der Regel länger als eine sehr einfache.
Problematisch wird es allerdings dann, wenn aus einem relativen Schätzmaß plötzlich wieder eine feste Zeiteinheit gemacht wird.
Zum Beispiel:
1 Story Point = 0,5 Tage
Denn wenn anschließend gleichzeitig ausschließlich nach der Fibonacci-Reihe geschätzt wird, entsteht eine bemerkenswerte neue Form der Zeitrechnung:
Und damit ergibt sich eine interessante Erkenntnis:
Eine Aufgabe kann in diesem Projekt einen halben Tag, einen Tag, eineinhalb Tage, zweieinhalb Tage oder vier Tage dauern.Aber niemals zwei Tage.
Zwei Tage befinden sich außerhalb des zulässigen Zeitkontinuums.
Das ist das Fibonacci-Zeit-Paradoxon.
Der Junior macht dabei nur einen einzigen Fehler:
Er glaubt noch, dass eine Aufgabe einfach zwei Tage dauern kann.
Der Senior weiß dagegen, dass man Zeit zunächst abschaffen, anschließend in Story Points umbenennen und danach mit Fibonacci wieder einführen muss.
Nicht Fibonacci ist das Problem. Das Problem beginnt, wenn ein relatives Maß zur Zeiteinheit erklärt wird und anschließend alle so tun, als sei die Mathematik noch dieselbe.